Akkord-Griffe flüssig wechseln

Die Form erhalten

Wenn du ein Lied mit Akkorden begleitest, gibst du dem Lied mit den Akkorden eine harmonische und mit dem Zupfmuster oder Anschlagsmuster eine rhythmische Untermalung. Beide Elemente sind dabei wichtig und bilden einen harmonischen und rhythmischen Hintergrund, auf dem die Melodie im Vordergrund glänzen kann.

Was ist nun aber beim Trainieren der Akkordwechsel für ein Lied wichtiger, die Harmonien oder der Rhythmus? Darauf gibt es eine klare Antwort: Am wichtigsten ist, dass die Form des Liedes erhalten bleibt.

Wenn du versuchst, die Akkorde perfekt zu greifen und deshalb zwischen dem Wechsel der Akkorde eine Pause machst, dann ist der Fluss des Liedes, die Form, zerstört. Das Lied wird in kleine Einheiten zerhackt, die sich aus den Akkordwechseln ergeben.

Wenn du hingegen versuchst, das Schlagmuster durchzuhalten, bliebt die Form des Liedes erhalten. Was ist aber, wenn nun zunächst ein paar Töne falsch klingen, weil du die Finger erst im weiteren Verlauf komplett korrekt positioniert hast? Das ist nicht schlimm, denn die Form bleibt erhalten. Die Melodie kann weiter erklingen, auch wenn es vielleicht kurz ein paar schräge Töne im Hintergrund gibt.

Was ist, wenn du zwar weiter spielst, aber der Schlagrhythmus nicht mehr genau stimmt? Auch das ist in Ordnung, wenn du einfach im richtigen Tempo irgendwie weiter spielst. Denn auch dann bleibt die Form des Liedes erhalten.

Tipps für flüssige Akkordwechsel für eine Liedbegleitung

Durchspielen

Spielt mit der Anschlagshand immer durch, egal, ob du den Akkord sofort perfekt greifen kannst. Wenn du es schaffst, bis zum nächsten Akkordwechsel die Finger richtig zu positionieren, dann hast du drei Dinge erreicht: die Form erhalten, die Harmonien zumindest zeitweise korrekt beigesteuert und den Fluss der rhytmischen Begleitung beibehalten.

Du denkst vielleicht bei dir, der Wechsel sei eine Katastrophe gewesen, aber für den Zuhörer klingt das viel besser, als du dir das als Gitarrist vorstellst. Für den Zuhörer ist es am wichtigsten, dass die Form erhalten ist und die Melodie korrekt klingt.

Das gleiche gilt, wenn du aus dem Schlagmuster rauskommst. Wenn du im Tempo einfach mit Abschlägen weiterspielst und vielleicht später bei einer ruhigeren Stelle wieder das Schlagmuster aufnimmst, ist für den Zuhörer (fast :-) alles gut.

Liedauswahl für das Training von Akkordwechseln

Such dir Lieder aus, bei denen die Akkorde länger liegen blieben. So hast du Zeit, die Finger während des Spielens zu sortieren und eventuell auch das Schlagmuster zu korrigieren.

Achtung Trainingsfalle

Wenn du bei jedem Akkordwechsel eine Pause machst, deine Finger richtig positionierst und dann weiterspielst, übst du folgendes:

  • Pause machen
  • Finger positionieren
  • Weiterspielen

So mancher wundert sich, dass er übt und übt und kaum Fortschritte macht. Das ist der Grund dafür. Man lernt das, was man übt. Und in diesem Fall trainiert man Pause machen.

Wenn du Akkordwechsel langsam üben willst, gibt es dafür viele andere Möglichkeiten. Aber niemals zu einem Lied, denn beim Lied haben Form und Melodie Vorrang. Wir als Gitarristen liefern nur den Hintergrund.

Die gute Nachricht

Du kannst die besten Sänger und die besten Bands der Welt kostenlos als Trainingspartner haben. Sie meckern nicht einmal rum, wenn du mal was vergeigst.

Spiel einfach zu den Videos oder Audios deiner Lieblingslieder. Lass sie laut laufen und spiel dazu. Wenn du die Hälfte der Akkorde erwischt, dann bist du ja schon über den Berg. Bei Liedern mitzuspielen, auch wenn noch nicht alles perfekt ist, bringt dich sehr schnell nach vorne.

Wie gesagt: Die besten Sänger und Musiker der Welt singen und spielen mit dir immer und immer wieder - kostenlos und ohne zu meckern. Ist das nicht wunderbar?